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Internationale Gäste bei der AG Streuobst in Königslutter/Niedersachsen

Par sichartDernière modification 14/06/2007 09:32

Im Anschluss an die Internationale Saatgut-Tagung in Halle vom 18. bis 20. Mai besuchten Gäste aus Chile und Mali die AG Streuobst in Königslutter, um sich von der hiesigen Situation ein Bild zu machen.

Internationale Gäste bei der AG Streuobst in Königslutter/Niedersachsen

An der Linde

 

25.Mai 2007

Mamadou Lamine COULIBALY aus Bamako in Mali ist Agraringenieur, spezialisiert im Bananenanbau. Er ist Vorsitzender des nationalen Verbandes der Organisationen der BananenerzeugerInnen (Fédération Nationale des Organisations de Producteurs de Banane) in Mali. Als Geschäftsführer der Nationalen Koordination der bäuerlichen Organisationen in Mali (Coordination nationale des organisations paysannes du Mali, CNOP) ist er zuständig für Saatgutfragen. Mamadou Lamine Coulibaly setzt sich vehement für den freien Tausch von Saatgut als Grundlage für eine vielfältige, gesunde Ernährung ein und engagiert sich gegen die Einschränkung der bäuerlichen Saatgutrechte durch Privatisierung, Patente oder Lizenzen.

 María Isabel MANZUR aus Santiago de Chile arbeitet bei der Fundación Sociedades Sustentables (Stiftung nachhaltige Gesellschaften). Seit 1999 koordiniert die Biologin und Zoologin das 1999 geschaffene Netzwerk für ein gentechnikfreies Chile. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Erhaltung und Nutzung von biologischer Vielfalt, auf Zugangsrechte zu genetischen Ressourcen und den Schutz traditioneller Kenntnisse und befasst sich in diesem Zusammenhang intensiv mit Biotechnologie- und Biosicherheitsfragen. Im Norden von Chile arbeitet sie außerdem mit indigenen Aymara Gemeinden für die Erhaltung von Saatgut alter Sorten. Sie publiziert Bücher und Bildungsmaterialien darunter eine Übersicht zur Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen in Chile “Biotecnología y bioseguridad: la situación de los transgénicos en Chile”.





Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist nicht nur vor unserer Haustür zu einem Problem geworden, sondern schon länger weltweit.
Interessant war für uns, dass  die Situation in Mali und Chile ganz unterschiedlich ist.

In Chile vermehren führende multinationale Saatgut Unternehmen gentechnisch verändertes Saatgut: Indem sie im Winter Saatgut für die nächste Saison auf der Südhalbkugel vermehren sparen sie Zeit. Gleichzeitig nutzen sie die niedrigen Biosicherheitsstandards in Ländern wie Chile aus. Dort gibt es keine Verpflichtung  zur Deklaration von GVO-Pflanzen und GVO-Saatgut, so dass die insbesondere die Zivilgesellschaft nicht erfährt, was in ihrem Lande produziert wird.  Frau Manzur führte aus, dass der Anbau von GV-Pflanzen in Chile  zur Zeit nur reduziert werden könne, wenn die Nachfrage zurückgeht. Also sind die Verbraucher aufgerufen, Gentech-Food - auch Fleisch von  Tieren, die mit GV-MAis- und GV-Soja-gefüttert wurden - abzulehnen. Aber bei letzterem mangelt es auch bei uns an der Kennzeichnungspflicht....

In Mali sind 70% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Das Saatgut wird getauscht, die Vielfalt wird dadurch sehr effektiv erhalten. Bisher werden in Mali noch keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Sie bringt für die Bauern und Bäuerinnen keine Vorteile, nur den NACHTEIL; VON Saatgutimporten abhängig zu werden. Die durch Gentechnik verursachten Eigenschaften wie Insektengiftigkeit oder Unempfindlichkeit gegenüber Pflanzenschutzmitteln (Herbizidresistenz) nützen den Bauern und Bäuerinnen in Mali nicht. Für sie ist Wassermangel das Problem in der Landwirtschaft, nicht jedoch Insekten oder andere Pflanzen. Darauf hat die Gentechnik bisher keine Antwort. Und die Haftungsregelungen sind in Mali derart scharf , dass die großen GVO-Saatgutkonzerne offensichtlich dort noch keine Anbauflächen haben, wohl aber Versuchsanlagen.

 


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